Mit (Team-) Job Crafting die Arbeit aktiv gestalten

von Martin Bunjes

Job Crafting beschreibt die aktive Mitgestaltung der eigenen Tätigkeit: Mitarbeitende passen Aufgaben, Beziehungen und ihre Perspektive auf den Arbeitsalltag so an, dass diese besser zu ihren Stärken, Interessen und Werten passt und nutzen damit die Handlungsspielräume ihrer Funktionsbeschreibung. Die Aufgaben wandeln sich ohnehin ständig. Im Idealfall können bereits kleine Veränderungen im Arbeitsalltag die Motivation, das Sinnempfinden und die Wirksamkeit steigern.

Übertragen auf die Teamebene entsteht daraus Team-Job-Crafting: Teams reflektieren gemeinsam ihre Ressourcen und Erfahrungen und entwickeln Aufgabenverteilung, Rollen und Zusammenarbeit bewusst weiter. Gerade in der zweiten Berufsweghälfte eröffnet dies neue Entwicklungsmöglichkeiten – indem Erfahrung gezielt eingebracht, Stärken neu gewichtet und Perspektiven erweitert werden. So entstehen frische Impulse für das Team und nachhaltige Energie für die Einzelnen.

Nicola Glumann, Forschende und Projektleiterin am Institut für Internationales und Diversity Management der Universität St. Gallen (IIDM-HSG), entwickelt und leitet evidenzbasierte, interaktive Job-Crafting-Workshops – und stellte uns das Konzept am Netzwerkanlass vor.

Die Präsentation wurde an die Teilnehmenden verschickt. Interessierte können Sie bei martin.bunjes@spurenwechseln.ch anfordern.

Diskussion

Ist Job-Crafting ein neues Etikett für das, was früher Teamentwicklung hiess?

In der Diskussion mit den Teilnehmenden wurde deutlich, dass Team-Job Crafting meist als moderierter Prozess umgesetzt wird. Hilfreich ist eine externe Moderation, während die Führungsperson sinnvollerweise Teil des Prozesses bleibt. Voraussetzung ist zudem ein gewisses Commitment des Teams. Und ein paar Spielregeln.

Als Einstieg empfiehlt sich häufig ein Fokus auf die Stärken der Teammitglieder. Eine mögliche Übung besteht darin, dass sich Teammitglieder gegenseitig Rückmeldung geben, wo sie die Stärken der anderen sehen. Dadurch entsteht ein Abgleich zwischen Eigen- und Fremdbild und ein positiver Ausgangspunkt für weitere Schritte. Darauf aufbauend können Teamziele geschärft und Rollen im Team bewusster implementiert werden. Wichtig ist dabei auch, einen oder mehrere Zeitpunkte für gemeinsame Evaluationen und Korrekturen festzulegen.

Diskutiert wurde auch, ob Job Crafting in Reorganisationen mit Personalabbau funktionieren kann. Als Voraussetzung gilt, dass zu Beginn des Prozesses die Rahmenbedingungen klar sind und die vorhandenen Handlungsspielräume transparent bleiben. Was ist verhandelbar und was nicht? Zudem braucht es ein Mindestmass an Bekanntsein und Vertrauen im Team. Gleichzeitig kann der Prozess selbst dazu beitragen, Vertrauen und Teamidentifikation zu stärken, insbesondere wenn Rollen und Kompetenzen im Team neu verteilt werden.

Solche Prozesse laufen nicht im Sandkasten ab; Gruppendynamik und das Machtthema mischen sich unweigerlich in die Aushandlungsvorgänge. Auch Harmonie ist nicht garantiert. Kreative Konfliktlösungen anzustossen, ist Aufgabe der Moderation.

Forschungsergebnisse zeigen, dass Job Crafting durch verschiedene Faktoren begünstigt wird. Dazu gehören Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit, Gewissenhaftigkeit oder Extraversion (vgl. Big Five), zusätzlich Motivation, insbesondere Bedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit. Ebenso wichtig sind organisationale Rahmenbedingungen wie Handlungsspielräume und ein unterstützendes Arbeitsumfeld. Studien zeigen zudem, dass Job Crafting trainierbar ist und entsprechende Interventionen Arbeitsengagement und Leistung steigern können.

Ein Praxisbeispiel zeigte, wie ein Team gemeinsam vorhandene Stärken reflektierte und Aufgaben teilweise neu verteilte. Das Ergebnis war ein besseres Verständnis für die Arbeit der anderen, eine engere Zusammenarbeit und mehr Flexibilität im Vertretungsfall.

Nachgefragt wurden auch niederschwellige Ansätze (Tools) wie interne „Jobbörsen“ oder Interventionen wie der sogenannte „Zauberladen" (ich kann eine Aufgabe abgeben, wenn ich "Käufer" finde).

Winterthur, 12.03.26

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