Was machen prämierte Arbeitgeber (allenfalls) anders?
von Martin Bunjes
Reto Schneider, Co-Leiter HR der PAX teilt seine Erfahrungen
Reto Schneider, Co-Leiter Human Resources bei der Pax Versicherungsgesellschaft in Basel, gab Einblick in Kultur und Arbeitsstrukturen. Das Unternehmen zeigt, dass es als Versicherung nicht nur überzeugende Vorsorgeprodukte verkauft, sondern seinen Mitarbeitenden auch besondere und aktuell gefragten Arbeitsbedingungen bietet.
Diese Praxis wird regelmässig ausgezeichnet, unter anderem mit folgenden Preisen:
- Gütesiegel «Familienfreundliches Unternehmen 2025 bis 2027», Family Score Award von Pro Familia Schweiz, mit hervorragenden 86 Punkten
- Platz 1 unter den Versicherungen und Banken am Standort Basel im Ranking «Beste Arbeitgeber 2024» von Statista, Handelszeitung und PME sowie schweizweit unter den Top 25 der besten 250 Arbeitgeber
Die Präsentation wurde den Teilnehmenden zugestellt. Interessierte können sie bei martin.bunjes@spurenwechseln.ch anfordern.
Ausgangssituation einer mehrjährigen Aufbauarbeit war, dass die Pax überlegte, was sie den Mitarbeitenden Besonderes anbieten kann und was andere Firmen – evtl. kurzfristig – auch offerieren und einrichten können. Man konzentrierte sich auf Langfristiges und kaum Kopierbares. Also nicht auf hohe Löhne.
Reto Schneider hob mehrere Aspekte hervor, in denen die Pax im Vergleich klar über dem Branchendurchschnitt liegt:
- Hohe Mitarbeitendenzufriedenheit
- Überdurchschnittliche Altersdurchmischung und auffällig viele Neuanstellungen in der Gruppe der 50-60 Jährigen
- Breite Kompetenz- und Einsatzfelder, begrenzte Spezialisierung der Jobs, flache Hierarchien
- Grosse Handlungsspielräume bei der Gestaltung der Arbeit und der Arbeitszeit mit Betonung von Familienfreundlichkeit
- Aufzeigen der Sinnhaftigkeit der Arbeit
Diese Ergebnisse sind das Resultat eines jahrelangen, konsequenten Kulturwandels innerhalb der Pax. Zentrale Erfolgsfaktoren sind gemäss Reto Schneider:
- Die Initiativen sind keine Aktionen der HR Abteilung, sondern der gesamten Geschäftsleitung und sie werden regelmässig diskutiert und weiterentwickelt
- Arbeitnehmerattraktivität braucht Geduld, vielleicht zehn Jahre Aufbauarbeit, und die Bereitschaft, auch Rückschläge auszuhalten.
- Es braucht einen Alltag, in dem jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter weiss, welchen Beitrag sie oder er zum Gesamten leistet.
- Alle Mitarbeitenden, unabhängig vom Alter, haben ein persönliches (nicht unbedingt hierarchisches) Entwicklungsziel
- Zusammenarbeit und Lernen finden über Hierarchien hinweg statt und nicht nur projektbezogen; Kollegialität ist gelebt Praxis
- Diversität wird als Zielsetzung kaum bewirtschaftet, doch von Inklusion ist oft die Rede und man arbeitet an der Verflüssigung von Stereotypen
- Der Jahresbonus ist für alle Mitarbeitenden gleich; es gibt keine Einzel- oder Teamboni
- Personen, die länger als bis zum Referenzalter arbeiten wollen, können dies tun, oft in Teilzeit oder in Projektarbeit. Die Weichen dafür werden in der zweiten Berufshälfte gestellt
- Überschaubare Geschäftseinheiten begünstigen einen Kulturwandel, da er dort leichter angestossen und langfristig verankert werden kann.
Winterthur, 29.01.2026
